
Ratgeber · Hygiene und Desinfektion
Kitareinigung: sauber und sicher für die Kleinsten
Sie wissen danach, welche Bereiche einer Kita wie oft gereinigt werden, was im Hygieneplan stehen sollte und wie Kita-Team und Reinigungsfirma zusammenarbeiten.
Warum Kitas eigene Regeln brauchen
Kinder im Kita-Alter erkunden die Welt mit Händen und Mund. Sie krabbeln über den Boden, teilen Spielzeug, sitzen eng beieinander und haben ihr Immunsystem noch im Aufbau. Erkältungen, Magen-Darm-Infekte und Hautinfektionen verbreiten sich in Gruppen schneller als in einem Büro. Eine gute Kitareinigung muss deshalb zwei Dinge leisten: zuverlässig sauber halten und dabei die Kinder vor unnötigen Reizstoffen schützen.
Rechtlich ist die Kita eine Gemeinschaftseinrichtung im Sinne von § 33 Infektionsschutzgesetz. Nach § 36 Abs. 1 IfSG muss sie innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in einem Hygieneplan festlegen und unterliegt der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt. Die Reinigung ist darin ein zentraler Baustein.
Der Hygieneplan als Grundlage
Den Hygieneplan stellt der Träger oder die Kita-Leitung auf, nicht die Reinigungsfirma. Viele Gesundheitsämter und Landesbehörden stellen Musterpläne für Kindertageseinrichtungen bereit, die an die eigene Einrichtung angepasst werden. Für die Reinigung entscheidend ist der Reinigungs- und Desinfektionsplan: welche Räume und Gegenstände, welches Verfahren, welches Mittel, wie oft und wer zuständig ist.
Die Reinigungsfirma sollte den gültigen Plan vor dem ersten Einsatz bekommen und ihre Kräfte darauf unterweisen. Wie sich Pflichten zwischen Einrichtung und Dienstleister sinnvoll aufteilen, beschreibt der Ratgeber Hygieneplan und Reinigungsfirma.
- Raumliste mit Nutzung: Gruppenräume, Schlafräume, Wasch- und Wickelräume, Küche, Flure, Garderoben, Turnraum, Büro.
- Für jeden Bereich: Reinigung oder desinfizierende Reinigung, Intervall, Zuständigkeit.
- Mittel mit Konzentration und Einwirkzeit.
- Ablauf bei Erbrochenem, Stuhl und Blut.
- Vorgehen bei gehäuften Erkrankungen und Kontakt zum Gesundheitsamt.
Bereiche und Intervalle im Überblick
Die folgende Übersicht zeigt eine übliche Aufteilung. Sie ersetzt nicht den Hygieneplan der Einrichtung, hilft aber beim Abgleich mit dem Leistungsverzeichnis.
| Bereich | Verfahren | Übliches Intervall | Typisch zuständig |
|---|---|---|---|
| Gruppenraum: Boden, Tische, Stühle | Reinigung | täglich | Reinigungsfirma |
| Essenstische nach Mahlzeiten | Reinigung | nach jeder Mahlzeit | Kita-Team |
| Schlafraum: Boden, Liegen | Reinigung | täglich bzw. nach Plan | Reinigungsfirma |
| Bettwäsche, Decken | Waschen | nach Plan, bei Verschmutzung sofort | Kita-Team oder Wäscherei |
| Kindertoiletten, Waschbecken | Reinigung, bei Bedarf Desinfektion | täglich, bei Bedarf öfter | Reinigungsfirma, tagsüber Kita-Team |
| Wickelauflage | Desinfizierende Reinigung | nach jedem Kind | Kita-Team |
| Wickelbereich gesamt | Desinfizierende Reinigung | täglich | Reinigungsfirma |
| Spielzeug | Reinigung, je nach Art waschen | nach Plan, Krippenspielzeug häufiger | Kita-Team |
| Flure, Garderoben, Eingang | Reinigung | täglich | Reinigungsfirma |
| Turn- und Bewegungsraum | Reinigung | täglich bis mehrmals wöchentlich | Reinigungsfirma |
Böden in Krippenräumen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil die Jüngsten dort krabbeln und spielen. Ein feuchtes Wischen jeden Tag ist hier Standard, Teppiche und Spielmatten brauchen ein eigenes Pflegeintervall.
Sanitär- und Wickelbereiche
Waschräume und Wickelplätze sind die hygienisch sensibelsten Bereiche einer Kita. Hier entscheidet sich, ob sich Magen-Darm-Erreger in der Gruppe ausbreiten. Kindertoiletten sind niedrig, werden oft nicht sauber benutzt, und kleine Hände berühren Spülknopf, Brille, Wasserhahn und Türgriff in schneller Folge.
Die Reinigungsfirma übernimmt in der Regel die tägliche gründliche Reinigung: Toiletten innen und außen, Spülknöpfe, Trennwände, Waschbecken, Armaturen, Spiegel, Spender, Fliesen in Griffhöhe und den Boden. Ob Toiletten und Wickelbereich dabei routinemäßig desinfizierend gereinigt werden, legt der Hygieneplan fest. Tagsüber kümmert sich das Kita-Team um das, was zwischendurch passiert.
- Farbsystem: Eigene Tücher für Toiletten und Urinale, eigene für Waschbecken und Fliesen, eigene für Gruppenräume. So gelangt nichts aus dem WC an Tische oder Spielflächen. Mehr dazu unter Farbcodierung.
- Wickelauflage: Nach jedem Kind vom Team gereinigt bzw. desinfiziert; die Reinigungsfirma reinigt den gesamten Wickeltisch, Schubladen außen, Treppchen und Abfallbehälter.
- Windeleimer: Täglich leeren, Behälter regelmäßig reinigen – Gerüche entstehen meist durch den Behälter, nicht durch den Inhalt.
- Spender: Seife und Papierhandtücher täglich prüfen; leere Spender sind ein häufiger Grund, warum Händewaschen ausfällt.
Spielzeug, Matten und Textilien
Spielzeug ist der klassische Graubereich zwischen Kita-Team und Reinigung. Fachlich gehört die Spielzeugpflege zum Hygieneplan der Einrichtung und wird meist vom Team erledigt, weil es die Spielsachen kennt, sortiert und in Rotation nimmt. Die Reinigungsfirma reinigt Regale, Kisten außen und Ablageflächen. Wenn die Reinigung von Spielzeug übertragen werden soll, muss das ausdrücklich im Leistungsverzeichnis stehen.
Wie oft Spielzeug gereinigt wird, hängt von der Altersgruppe ab. Was im Krippenbereich in den Mund genommen wird, braucht ein deutlich kürzeres Intervall als Bauklötze im Elementarbereich. Viele Kitas waschen hartes Kunststoffspielzeug in der Spülmaschine und Stofftiere in der Waschmaschine – nach Herstellerangabe.
- Krippenspielzeug, das in den Mund genommen wird: häufig, nach Plan.
- Hartes Spielzeug aus dem Elementarbereich: regelmäßig nach Plan.
- Stofftiere, Kissen, Verkleidung: waschen nach Plan, bei Verschmutzung sofort.
- Turnmatten und Spielmatten: abwischen nach Herstellerangabe, Unterseite nicht vergessen.
- Sandspielzeug: grob reinigen, trocknen lassen, nicht nass in Kisten lagern.
Kindgerechte Mittel und Verfahren
In einer Kita gilt: so mild wie möglich, so wirksam wie nötig. Die meisten Flächen lassen sich mit neutralen oder leicht alkalischen Reinigern sauber halten. Duftstoffe und starke Gerüche haben in Räumen, in denen Kinder schlafen und spielen, nichts zu suchen. Mittel mit anerkanntem Umweltzeichen sind ein guter Ausgangspunkt, mehr dazu im Ratgeber Umweltzeichen bei Reinigungsmitteln.
Desinfektionsmittel werden nur dort eingesetzt, wo der Hygieneplan es vorsieht, und mit der richtigen Konzentration und Einwirkzeit. Der Ratgeber Desinfektion oder Reinigung erklärt die Unterschiede.
- Reinigungsmittel nie unbeaufsichtigt in Gruppen- oder Waschräumen stehen lassen.
- Reinigungswagen abschließbar oder außerhalb der Betreuungszeit einsetzen.
- Flächen, an denen Kinder essen, nach dem Reinigen mit klarem Wasser nachwischen, wenn das Mittel es verlangt.
- Nasse Böden kennzeichnen oder erst nach Betreuungsende wischen – Rutschgefahr für kleine Füße.
- Sicherheitsdatenblätter griffbereit, damit im Notfall schnell klar ist, was ein Kind erwischt haben könnte.
Wenn Magen-Darm oder andere Infekte umgehen
Gehäufte Erkrankungen in einer Gruppe sind in Kitas keine Seltenheit, besonders in den Wintermonaten. Dann ändern sich die Anforderungen für einige Tage deutlich. Was zu tun ist, entscheidet die Kita-Leitung nach Hygieneplan und gegebenenfalls in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt; die Reinigungsfirma setzt die zusätzlichen Maßnahmen um.
Ein typischer Ablauf, etwa in einer Kita in Neumünster: Die Leitung informiert die Reinigungsfirma am Morgen über mehrere Erkrankungen in einer Gruppe. Für die betroffenen Bereiche wird bis auf Weiteres täglich desinfizierend gereinigt, mit einem Mittel, dessen Wirkspektrum zu den vermuteten Erregern passt. Türgriffe, Lichtschalter, Handläufe und Sanitärbereiche bekommen ein kürzeres Intervall. Nach Abklingen wird der Normalbetrieb wieder aufgenommen.
- Meldeweg von der Kita zur Reinigungsfirma festlegen – Telefon und Name.
- Zusatzleistung im Vertrag als abrufbare Position vorsehen.
- Passendes Desinfektionsmittel mit erweitertem Wirkspektrum vorrätig halten.
- Einmaltücher und Schutzausrüstung für die Beseitigung von Erbrochenem bereithalten.
- Nach dem Ausbruch kurz besprechen, was gut lief und was nicht.
Hinweise speziell zu Noroviren gibt der Ratgeber Reinigung bei Norovirus-Ausbruch.
Zeiten, Zugang und Zusammenarbeit
Die Unterhaltsreinigung findet in den meisten Kitas nach Betreuungsende am Nachmittag oder Abend statt. So stehen Gruppenräume leer, Böden können trocknen, und Kinder kommen nicht mit Mitteln oder Geräten in Berührung. In großen Einrichtungen mit langen Öffnungszeiten kann ein zusätzlicher Durchgang in den Sanitärräumen am Mittag sinnvoll sein.
Damit die Reinigung gründlich arbeiten kann, braucht sie freie Flächen. Ein kurzer Absprachepunkt im Team hilft: Stühle hochstellen, Spielzeug vom Boden in die Kisten, Bastelarbeiten nicht auf den Fensterbänken trocknen lassen. In den Schließzeiten im Sommer oder zwischen den Jahren bietet sich eine Grundreinigung der Böden, Fenster und Möbel an.
Gute Zusammenarbeit lebt von kurzen Wegen. Bewährt hat sich ein Übergabebuch oder eine feste Ablage am Eingang, in der das Team Hinweise hinterlässt: verschüttete Farbe im Atelier, ein verstopftes Kinderwaschbecken, ein Fleck auf dem Teppich in der Leseecke. Die Reinigung vermerkt im Gegenzug, was ihr aufgefallen ist, etwa ein loser Fliesenrand oder ein defekter Spender. Ein- bis zweimal im Jahr lohnt ein gemeinsamer Rundgang von Kita-Leitung und Objektleitung der Reinigungsfirma, bei dem Intervalle und Zuständigkeiten überprüft werden. Kleine Unklarheiten lassen sich so klären, bevor sie zu Beschwerden von Eltern oder Hinweisen bei einer Begehung durch das Gesundheitsamt werden.
Checkliste für Träger und Kita-Leitung
- Liegt der aktuelle Hygieneplan der Reinigungsfirma vor?
- Ist für Spielzeug, Wickelauflage und Essenstische festgelegt, wer zuständig ist?
- Arbeitet die Reinigung mit einem Farbsystem für Tücher?
- Sind Mittel kindgerecht ausgewählt und sicher verwahrt?
- Gibt es einen Meldeweg und eine abrufbare Leistung für Ausbruchsfälle?
- Sind Grundreinigungen in den Schließzeiten eingeplant?
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Häufige Fragen — kurz beantwortet
Braucht jede Kita einen Hygieneplan?
Ja. Kitas sind Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 IfSG und müssen nach § 36 Abs. 1 IfSG innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in Hygieneplänen festlegen. Sie unterliegen der Überwachung durch das Gesundheitsamt.
Wer reinigt das Spielzeug in der Kita?
In den meisten Kitas das pädagogische Team, weil es die Spielsachen kennt und in Rotation nimmt. Soll die Reinigungsfirma das übernehmen, muss es ausdrücklich im Leistungsverzeichnis stehen.
Wird in der Kita täglich desinfiziert?
Nicht überall. Die meisten Flächen werden gereinigt. Desinfektion ist für Bereiche wie Wickelplätze, nach Plan auch Sanitärbereiche, und für Ausbruchsfälle vorgesehen. Was genau gilt, steht im Hygieneplan.
Wann sollte die Kita gereinigt werden?
Meist nach Betreuungsende, damit Räume leer sind und Böden trocknen können. In großen Einrichtungen kann ein zusätzlicher Durchgang für die Sanitärräume über Mittag sinnvoll sein.
Welche Reinigungsmittel eignen sich für Kitas?
Möglichst milde, duftstofffreie Reiniger, für die meisten Flächen genügen neutrale Produkte. Mittel mit Umweltzeichen sind ein guter Ausgangspunkt. Desinfektionsmittel nur dort, wo der Hygieneplan sie vorsieht.
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